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Schön war sie, die Zeit in Griechenland. Eine Woche durften wir unser geliebtes Urlaubsland besuchen. Für etliche von uns war es die weiteste Reise ihres Lebens, und zwei oder drei von uns waren noch nie zuvor geflogen. Herr Kaul hatte uns schon auf vieles vorbereitet, aber was wir gesehen und erlebt haben, übertraf alle unsere Erwartungen. Außer dem Ehepaar Kaul waren wir 10 Bewohner und Bewohnerinnen unserer Einrichtung, dazu kamen vier Betreuer und Natalies Mutter.
- Sonntag, 24. September 2006
In aller Herrgottsfrühe mußten wir aufbrechen, damit wir pünktlich kurz nach sieben uns am Düsseldorfer Flughafen einfanden. Unser Flugzeug ging dann direkt nach Kavala in Ostmake-donien. Der Bus, der uns dort abholte, brauchte keine halbe Stunde zu unserem Urlaubsort, der kleinen Hafenstadt Keramoti. Untergebracht waren wir in einem größeren Appartement-hotel. Wir hatten viel Platz und gute Laune-
Gute Laune aber hatte der Wettergott nicht immer. Schon am Tage unserer Ankunft hatte es morgens geregnet – damit hätten wir nicht gerechnet. Aber am Nachmittag konnten wir doch einen Spaziergang in den Ort unternehmen und auch dem wunderschönen weiten Sandstrand unmittelbar vor unserer Unterkunft einen Besuch abstatten.
Das Restaurant, in dem wir immer zu Abend aßen, lag ganz in der Nähe. Der freundliche Wirt hatte eine Zeitlang in Köln gewohnt; er sprach also gut Deutsch und begrüßte uns stets mit Handschlag. Verständnisvoll ging er auf alle unsere Wünsche ein.
Montag, 25. September 2006
Heute war Ruhetag. Wir spazierten zum Hafen mit den vielen Fischkuttern und beobachteten, wie die Männer die Netze versorgten. Da lief auch ein großes Fährschiff ein, das ständig zwischen Keramoti und der Insel Thasos verkehrt. Glücklicherweise schien sogar die Sonne, und so verbrachten wir den Nachmittag geruhsam am Strand. Dort konnte man sich kostenlos unter einen der Schirme und auf eine Liege legen und auf das Meer und die hohen Berge von Thasos schauen. Etliche trauten sich sogar ins Wasser, sie behaupteten, es sei immer noch schön warm.
Dienstag, 26. September 2006
Unser erster Ausflug ging hinüber auf die Insel. Das Meer war ganz ruhig, und die Überfahrt dauerte nur 40 Minuten. Da konnte man an der Reeling stehen und die Möven füttern, die in großen Scharen und mit viel Gekreisch das Schiff begleiteten. Doch da ist Vorsicht geboten: Wenn so eine dicke Möve sich das Futter schnappt, hat sie schon viel Kraft.
Drüben angekommen, warteten vier Leihwagen auf uns. Unsere Betreuer setzten sich ans Steuer und fuhren uns rings um die ganze Insel. Morgens hatte es noch ein wenig trübe ausge-sehen, aber glücklicherweise kam allmählich die Sonne hervor. Unterwegs konnte man sich gar nicht sattsehen an den vielen tollen Ausblicken, da lag das weite Meer zur Rechten mit reizenden Buchten, die manchmal tief unter uns lagen, während die Straße hoch über der felsigen Steilküste entlangführte, und auf der linken Seite ragten die Berge bis auf 1200 Meter Höhe auf.
Unser erster Halt war beim Kloster des Erzengels Michael. Heute wird es von Nonnen ge-führt. Am Eingang achtete ein Mann streng darauf, daß die Kleidervorschriften eingehalten wurden – das wurde ganz lustig: Die Damen, die eine Hose trugen, bekamen einen einfachen Rock, der von einem Gummi gehalten wurde. Wenn die Arme nicht bedeckt waren, gab’s einen Umhang. Und die Herren wurden nur mit langer Hose eingelassen. Leider war der Hauptbereich für Besucher gesperrt, so durften wir nur das alte niedrige Gotteshaus betreten. Im Inneren erklärte uns Herr Kaul die Bilderwand, die vor dem Altar steht, der ist nämlich in der orthodoxen Kirche für die Gemeinde nicht zu sehen. An der uralten Ikone des Erzengels gibt es unzählige kleine Weihegeschenke; sie wurden von Pilgern gestiftet, denen der Michael in einer Notlage geholfen hat. Zum Schluß zündeten wir alle ein Kerze an. Dann gab’s einen Ansturm auf den kleinen Laden; hier verkaufen die Nonnen allerlei Heiligenbilder und Figu-ren und Handarbeiten. Da konnte man schon Geld loswerden!
Weiter ging’s an eine malerische Bucht mit einem schmalen Strand, aber unsere Autos fanden dort nur mit Mühe einen Parkplatz, so groß war der Andrang. In einer Taverne direkt am Strand gab es Mittagessen. Auf die Tische wurden die verschiedensten leckeren Gerichte gestellt, und jeder konnte davon nehmen, was er mochte, und alles durchprobieren.
Wer einigermaßen gut zu Fuß war, ging mit Herrn Kaul zuerst ein kurzes Stück bis zu einer zweiten Bucht; dort standen die Grundmauern und ein paar Säulen eines heidnischen Tem-pels; in die Steine hatten die Seeleute vor 2000 Jahren ihre Namen geritzt. Danach stieg man eine Anhöhe hinauf zu den Ruinen zweier altchristlicher Kirchen. Aber das Interessanteste kam erst noch: Herr Kaul zeigte uns die Spuren, wo in der Zeit der Römer weißer Marmor gewonnen wurde. Große Teile des Hanges waren an der Meerseite bis auf den Grund abge-tragen und bis nach Rom verschifft worden. Um den Anblick zu beschreiben, fehlen mir die Worte. Hoffentlich werden die Fotos den Eindruck festhalten.
Mit der Rückfahrt auf der Fähre ging ein wunderschöner Tag zu Ende.
Mittwoch, 27. September 2006
Eigentlich hätte es nun wieder einen Ruhe- und Badetag geben sollen, aber da das Wetter zu unsicher war, arrangierte Herr Kaul am Vormittag eine Fahrt nach Kavala, der alten Bezirks-hauptstadt. Zunächst ging es durch die weite Ebene des Nestosdeltas, aber als wir uns dem Ziel näherten, traten die Hügel bis dicht an das Meeresufer heran, und so zieht sich auch die Stadt malerisch die Hänge hinauf. Unser Bus hielt zunächst dicht am Hafen. Von dort stiegen wir aufwärts bis zu dem Denkmal des Ali Pascha. Der sitzt auf einem stolzen Pferd, trägt einen Turban und zieht sein krummes Schwert. Er soll ein kluger Mann und guter Herrscher gewesen sein, deshalb schickte ihn der türkische Sultan als Vizekönig nach Ägypten. Direkt daneben steht noch sein Geburtshaus. Für die beiden Betreuer, die unsere Rollstuhlfahrer hinaufgeschoben hatten, war es ein hartes Stück Arbeit gewesen, deshalb verzichteten wir darauf, auch noch die alte Burg zu besichtigen. Dafür gab es in einem kleinen Laden an der Straße viele originelle Andenken zu kaufen.
Anschließend fuhr uns der Bus zum Archäologischen Museum. Am interessantesten waren die Schmuckstücke aus reinem Gold, das man in der Antike in einem Gebirge bei Philippi gewonnen hat.
Donnerstag, 28. September 2006
Pünktlich um 9 Uhr stand wieder unser Bus vor der Tür, doch o weh! Der Himmel war grau, und es regnete in Strömen. Heute ging’s auf der neuen Autobahn, der Egnatia, in Richtung Kavala, wo wir nach Norden abbogen, jedoch an eine Besichtigung der Ruinen der antiken Stadt Philippi war nicht zu denken. So fuhren wir zunächst ein Stück weiter zu einem Nach-barort; dort steht an der Stelle, an der der Apostel Paulus Lydia, die erste Christin auf europä-ischem Boden, getauft hat, eine moderne Kapelle, die man aber ganz im alten Stil errichtet hat.
Nach kurzer Andacht fuhren wir weiter. Da erlebten wir etwas Wunderschönes! Kennt je-mand von Ihnen die Tropfsteinhöhle von Alistrati? Die müssen Sie gesehen haben! So etwas Phantastisches sucht in Europa seinesgleichen! Es gibt riesige Säle mit unendlich vielen Stalagmiten und Stalagtiten in einer Vielfalt der Formen und Farben, wie man es von der Dechen- oder Attahöhle wahrlich nicht kennt – es ist unbeschreiblich! Man konnte nur staunend stehenbleiben und ehrf&uumFreitag, 09.01.2009aß man einen betonierten Weg angelegt hat, der praktisch auf der ganzen Strecke eben verläuft, so daß wir auch die beiden Rollstühle durch die Höhle schieben konnten; es ist sonst ja fast unmöglich, daß gehbehinderte Menschen eine Tropfsteinhöhle besuchen können.
Zum Glück hatte inzwischen der Regen nachgelassen, und als wir nach dem Mittagessen wieder den Bus bestiegen, hatte es sogar ganz aufgehört zu tröpfeln. So kamen wir doch noch dazu, die Ausgrabungen von Philippi zu besichtigen. Zunächst standen wir im großen steiner-nen Theater, das der Vater Alexanders des Großen hat erbauen lassen. Und von dort zeigte Herr Kaul auf die Ebene, wo in einer blutigen Schlacht die Mörder des Caesar geschlagen wurden – so konnte aus Caesars Neffe Octavian der spätere Kaiser Augustus werden. Hundert Jahre danach kam der Apostel Paulus in diese Stadt, um das Evangelium zu verkünden. Aus diesem Grunde wurde Philippi später ein Wallfahrtsort, und um all die Pilger aufzunehmen, wurden etliche prachtvolle Kirchen gebaut. Die riesigen Marmorblöcke, die Säulen mit den kunstvollen Kapitellen erregen auch heute noch unsere Bewunderung und unser Staunen.
Müde und voller Eindrücke ging’s mit dem Bus wieder nach Keramoti zurück.
Freitag, 29. September 2006
Nun folgte abermals ein Ruhetag, ausgefüllt mit Baden, Fußballspielen und einem gemein-samen Kaffeetrinken in gemütlicher Runde.
Samstag, 30. September 2006
Noch einmal bestiegen wir die Fähre nach Thasos. Mitten in der Stadt gibt es etliche antike Überreste, und in dem Museum bestaunten wir einen riesigen Kouros, den der Künstler vor 2600 Jahren aber nicht fertiggestellt hat, weil der Marmor einen Sprung hatte. Und im Vor-garten stehen mächtige Sarkophage und ein gewaltiger steinerner Adler aus römischer Zeit. Ganz in der Nähe war eine kleine orthodoxe Kirche geöffnet, dort konnte man noch einmal überdenken, was diese Woche uns alles an Schönem beschert hat. Dann aber war es Zeit, die letzten Souvenirs einzukaufen, ehe wir zurück nach Keramoti fuhren; denn am Nachmittag mußten ja die Koffer gepackt werden. Einige von uns vergnügten sich noch einmal am Strand, andere nahmen auf einem Spaziergang Abschied von Keramoti und von Griechenland.
Sonntag, 1. Oktober 2006
Das Wetter war strahlend an diesem Sonntag. Das Ehepaar Kaul begleitete uns zum Flugplatz Kavala, und als wir unsere Koffer abgegeben hatten, umarmten wir sie noch einmal, denn sie wollten noch eine Woche auf der Insel Limnos verbringen. Der Flug war ruhig, doch als wir in Düsseldorf landeten, regnete es in Strömen. So ging eine unvergeßliche Reise zu Ende.
Wenn Sie den Bericht lesen, werden Sie gewiß unsere Begeisterung verstehen, daß wir diese Reise unternehmen durften. Aber ohne Ihre Unterstützung hätten wir gewiß nicht so viel Schönes sehen und erleben können. Dafür sind wir alle Ihnen aufrichtig dankbar.
Doris Maas
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